Kalziumversorgung von Landschildkröten

In der Natur leben Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni boettgeri, T. h. hermanni, T. h. hercegovinensis), Maurische Landschildkröten (Testudo graeca ibera) und Breitrandschildkröten (Testudo marginata) auf sehr mageren und kalziumreichen Böden. Daher haben die dort wachsenden Pflanzen in der Regel einen hohen Kalziumgehalt. Auch viele unserer heimischen Wildkräuter enthalten viel Kalzium und wenig Phosphor. Bei Salaten kann das allerdings anders aussehen, diese enthalten oftmals weniger Kalzium als Phosphor. In der Nahrung von Landschildkröten sollte jedoch ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 2:1 angestrebt werden. Also zwei Teile Kalzium auf ein Teil Phosphor. Kalzium spielt im Körper fast immer im Zusammenhang mit Phosphor eine Rolle, daher ist das Kalzium-Phosphor-Verhältnis so wichtig. Der absolute Gehalt an diesen Mineralstoffen ist wichtig, aber das passende Verhältnis ist noch wichtiger. Um das Verhältnis auszurechen, so teilt man einfach den Kalzium-Gehalt durch den Phosphor-Gehalt. Das Ergebnis sollte bei idealen Futterpflanzen bei 2 oder etwas mehr liegen. In der Natur haben die Wildkäuter im Herkunftsgebiet der Landschildkröten oft ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 3,5.

Phosphor ist bei Landschildkröten selten im Mangel, Kalzium hingegen häufig

Stimmt das Kalzium-Phosphor-Verhältnis, welches oft mit Ca/P abgekürzt wird, nicht, so mobilisieren Landschildkröten Kalzium aus ihren Knochen und aus dem Panzer, damit der Kalzium-Spiegel im Blut passt. So kann es dann zu einer Panzererweichung (Rachitis und Osteomalazie) kommen. Kalzium wird an vielen Stellen im Körper benötigt, so bestehen Knochen und der Panzer zum Beispiel zu großen Teilen aus Kalzium. Daher benötigen Landschildkröten in jungen Jahren, wenn sie noch stark wachsen, mehr Kalzium als später. Des weiteren besteht die Eischale auch zu einem Großteil aus Kalzium, daher benötigen weibliche Landschildkröten in der Legesaison mehr Kalzium als Männchen. Außerdem wird Kalzium für die Blutgerinnung, einige Enzyme und für die Muskelkontraktion benötigt.

Einige Pflanzen enthalten Oxalsäure, diese Säure bindet Kalzium, es entstehen dann das schwer lösliche Kalzium-Oxalat. So kann das Kalzium dann aus der Nahrung nicht mehr aufgenommen werden. Daher ist es ratsam möglich Oxalsäure-arme Pflanzen zu verfüttern. Besonders hohe Oxalsäure-Gehalte haben Sauerklee, Sauerampfer und Tomaten.

In der Natur können Landschildkröten ihren Kalziumbedarf zu großen Teilen über die Wildkräuter decken, zusätzlich können sie Knochen von verendeten Tieren und Schneckenhäuser verspeisen.

Man sollte seinen Landschildkröten kein Kalzium-Pulver über das Futter streuen. So besteht nämlich die Gefahr einer Überdosierung, die genauso schädlich wie ein Mangel ist. Denn: die Überdosierung von Kalzium führt zu einem Phosphormangel. Das überflüssige Kalzium wird nämlich als Phosphorsalz ausgeschieden. Daher Kalzium immer separat anbieten. Die Menge dürfen die Landschildkröten sich dann selbst aussuchen, das ist die sicherste Methode. Kalzium sollte dabei immer zur freien Verfügung stehen.

Keinesfalls dürfen Landschildkröten mit einem Vitamin-Pulver gefüttert werden, da sie extrem empfindlich auf Vitamin A reagieren und schnell eine Vitamin A-Vergiftung bekommen.

Sepia

Sepia hat ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 253! Damit ist es ein ideales Futtermittel zur Kalzium-Ergänzung. Es ist die Kalzium-Quelle die meinen Landschildkröten immer zur Verfügung steht. Die Sepia wird einfach irgendwo ins Gehege gelegt, dann können sich die Schildkröten bedienen sobald sie Appetit auf Kalzium haben. Neben der Kalzium-Versorgung ist Sepia auch ideal für den Schnabel-Abrieb.

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Der Sepiaschulp ist eigentlich ein Knochen von Tintenfischen. An Mittelmeerstränden findet man auch oft Sepia, diese kann man mit nach Hause nehmen und auch seinen Schildkröten anbieten. Übrigens muss Sepia nicht aufwändig gewässert werden. Sicherlich kann da etwas Meersalz enthalten sein, aber durch Wässern sinkt der Salzgehalt nicht. Wenn man sich Sepia im Zoohandel kauft, bitte nicht die rosa schimmernden Schulps kaufen, diese haben einen Vitaminüberzug für Vögel, welcher für Schildkröten ungeeignet ist.

Eischalen

Eischalen haben ein Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 358. Das macht sie eigentlich zum idealen Kalzium-Ergänzungsfutter. Aber ungekochte Eischale kann Salmonellen enthalten, die auch für Schildkröten krankmachend sein können. Die Salmonellen kann man mit Kochen einfach abtöten, bei der Eischale vom Frühstücksei sind die Salmonellen also tot, wenn welche drauf waren. Leider scheint aber gekochte Eischale für Landschildkröten nicht gut verdaulich zu sein, so dass sie nahezu vollständig wieder ausgeschieden wird. Daher sind die Schalen von Eiern keine gute Kalzium-Quelle für Landschildkröten.

Knochen

Knochen sind eine Kalzium-Quelle die den Landschildkröten auch in der Natur zur Verfügung steht. Daher ist es grundsätzlich keine schlechte Idee einen alten ausgekochten Suppenknochen seinen Landschildkröten ins Gehege zu legen. Aber Knochen besteht ja nicht nur aus Kalzium, sondern auch aus Phosphor. Daher ist das Kalzium-Phosphor-Verhältnis von Knochen 2. Die Zufütterung von Knochen macht also nur Sinn, wenn sowohl Kalzium als auch Phosphor im Mangel vorliegen. Bei Landschildkröten ist aber in der Regel nur Kalzium im Mangel und Phosphor nicht. Daher bekommen meine Landschildkröten keinen Knochen, sondern Sepia.

Analyse

Was ist nun drin, in diesen Kalzium-Quellen? Natürlich bestehen diese Mineralfuttermittel nicht nur aus Kalzium, sondern es sind auch andere Mineralstoffe enthalten. Hier Analyse-Daten (in der Trockensubstanz, WAPELHORST 2014):

SepiaEi-SchaleKnochen
Ca
g/kg
339358242
P
g/kg
1,341,03112
Ca/P2533482,16
Na
g/kg
10,71,125,10
K
g/kg
0,9060,4240,819
Mg
g/kg
0,9343,423,85
Cl
g/kg
10,20,2010,875
Cu
mg/kg
65,52,826,82
Zn
mg/kg
30,110,577,3
Fe
mg/kg
2,048,795,82
Mn
mg/kg
4,711,330,860

Gehege kalken

In der Natur leben die meisten Landschildkröten auf Böden die kalziumreich sind. Daher sind die Wildkräuter dort auch in der Regel ziemlich kalziumreich, denn die Mineralien nehmen Pflanzen ja aus dem Boden auf. Deswegen ist es sinnvoll sein Landschildkröten-Gehege zweimal jährlich zu kalken.

Unter kalken versteht man das großzügige Ausbringen von Kalzium. Im Garten nimmt man dazu in der Regel Dolomitkalk oder Algenkalk, beide sind auch für Landschildkrötengehege ideal. Ideale Zeitpunkte zum kalken von Landschildkrötengehegen sind März und November, jeweils vor einem Regenschauer. Der Regen spült den pulverförmigen Dolomitkalk nämlich von den Pflanzen und der Erdoberfläche in die Erde und dort soll er ja hin. Die von mir praktizierte Dosierung ist ein Kilogramm Dolomitkalk pro Quadratmeter Schildkrötengehege. Im Boden neutralisiert das im Dolomitkalk und im Algenkalk enthaltene Calciumcarbonat Säuren und es wird von den im Gehege wachsenden Pflanzen aufgenommen. Säuren entstehen im Landschildkrötengehege mit der Zeit immer, durch die Zersetzung von toten Pflanzen und Kot. Daher muss man regelmäßig das Gehege kalken.

Literatur

Wapelhorst, X. (2014): Untersuchungen zur Aufnahme und Bedeutung von Beifutter für die Nährstoffversorgung granivorer Ziervogelspezies (Kanarienvögel, Wellensittiche, Rosenköpfchen). – Dr. Hut-Verlag (München), 165 S.