Bartagamen

Diese australischen Wüstenbewohner sind einer der beliebtesten Terrarienbewohner. Sie sind relativ pflegeleicht und werden für eine Echse sehr zahm, wenn auch sie viel Platz benötigen. Die am häufigsten gehaltene Bartagamen-Art ist die Gewöhnliche oder Streifenköpfige Bartagame Pogona vitticeps. Sie erreicht ein Alter von etwa zehn Jahren. Von ihr gibt es auch zahlreiche Farb-Zuchtformen, beispielsweise in Rottönen oder gelblich, diese sind in der Anschaffung deutlich teurer als wildfarbene Bartagamen.

Bartagamen werden schon lange in Europa gepflegt. Einer der Altmeister der Terraristik, Dr. Kurt Floericke, schrieb in seinem Buch „Der Terrarien-Freund“ 1927 bereits folgende Zeilen: „In der Gefangenschaft zeigt sich diese Art im Gegensatz zur Siedleragame von Anfang an ruhig, behäbig und phlegmatisch, fast etwas stumpfsinnig. Aber eine Füllung des Futterschüsselchens bring sie doch sofort aus dem Gleichgewicht. Wie der Blitz saust sie dann hervor und frißt und frißt. […] Diese Gefräßigkeit trägt viel dazu bei, daß die Judenechse bald zahm und anhänglich wird“ Und im Grunde stimmen diese Zeilen auch heute noch.

Bartagame

Terrarium

Terrariengröße: 5 x 4 x 3 (LxBxH) mal Kopf-Rumpf-Länge. Bei einer ausgewachsenen Bartagame mit 25cm KRL (und etwa 55cm Gesamtlänge) entspricht das einer Größe von 125 x 100 x 75 cm. Praktikabel ist ein Terrarium mit den Maßen 150 x 80 x 80 cm.

Terrarienausstattung: Höhlen, Kletterbäume und Aufbauten. Empfehlenswert ist eine bekletterbare Strukturrückwand mit Liegeflächen auf verschiedenen Höhen. 10-20cm hohe Sand-Lehm-Schicht als Bodengrund, der in den tieferen Schichten leicht feucht ist, an der Oberfläche aber trocken. Keinesfalls Calcium-haltiger Boden.

Temperaturen: Grundtemperatur 25-30°C, Sonnenplatz lokal 50°C (mit Licht gekoppelte Strahlungswärme, keine Heizmatten/-steine), eine Nachtabsenkung auf Zimmertemperatur ist empfehlenswert. Nov-Feb 15-20°C

Kot täglich entfernen, zweimal jährlich Bodengrund austauschen

Bartagame

Beleuchtung

Es heißt so schön “Licht ist Leben” und genau das ist es für die in ihrer Heimat sonnenverwöhnte Bartagame. Drei Dinge braucht eine Bartagame: Helligkeit, Wärme und UV-Licht. Dazu hat sich folgende Lampen-Kombination bewährt:

  • T5-Leuchtstoffröhren
  • Halogen-Metalldampf-Lampe (HQI/HCI/CDM oder Bright Sun UV)
  • UV-Mischlichtstrahler (z.B. Osram Ultra Vitalux)

Als Grundbeleuchtung für das ganze Terrarium verwendet man zwei bis drei Leuchtstoffröhren über die ganze Terrarienlänge, bei einem 150cm langen Terrarium also drei (normale T8) Leuchtsoffröhren mit 40W. Besser, weil heller, sind die dünneren T5-Leuchtstoffröhren, für ein 150cm-Terrarium empfehle ich zwei 54W T8-Röhren. Um das Licht einer Leuchtstoffröhre voll auszunutzen empfiehlt es sich sie mit einem Reflektor auszustatten.

Mit Hilfe einer Halogen-Metalldampf-Lampe, welche man bei Online-Auktionen mit den Suchbegriffen HQI, HCI oder CDM findet, schafft man im Terrarium helle und warme Sonnenplätze. Pro Bartagame muss sich ein Sonnenplatz im Terrarium befinden. Ich verwende gerne Halogen-Metalldampf-Lampen mit rundem Reflektor, da diese das Licht (und somit auch die Wärme) besser bündeln. Eine 70W HQI reicht normalerweise um den Sonnenplatz auf 45-50°C zu erwärmen, ansonsten kann man den Abstand verringern um höhere Temperaturen zu erreichen. Zum Betrieb einer Halogen-Metalldampf-Lampe ist immer ein Vorschaltgerät nötig!

Zur UV-Versorgung von Bartagamen hat sich seit Jahren der Mischlichtstrahler Osram Ultra Vitalux bewährt. Aus einem Abstand von einem Meter werden die Bartagamen täglich für eine halbe Stunde mit dieser 300W-Lampe bestrahlt. Es gibt auch Mischlichtstrahler mit nur 100 oder 160W von verschiedenen Herstellern, bei diesen kann der Abstand zum Tier geringer sein, dafür müssen diese aber auch tagsüber immer an sein um die Bartagame ausreichend mit UV-Licht zu versorgen. Theoretisch kann man auch über Leuchtstoffröhren den Bartagamen UV-Licht zukommen lassen, dazu müsste man diese jedoch mindestens alle sechs Monate auswechseln, was im Endeffekt deutlich teuer als eine Osram Ultra Vitalux ist, die mehrere Jahre hält.

Seit einiger Zeit gibt es eine für die Terraristik entwickelte Halogen-Metalldampf-Lampe welche auch UV-Licht abgibt. Im Handel findet man sie unter dem Namen Bright Sun UV. Wenn man diese Halogen-Metalldampf-Lampe verwendet benötigt man keine zusätzliche UV-Lampe. Für Bartagemen empfehle ich die Bright Sun UV unbedingt!

Durch diese starke Beleuchtung wärmt sich das Terrarium natürlich auf, das ist aber durchaus erwünscht. Auf den Sonnenplätzen der Bartagamen soll es 45-50°C warm werden. Im übrigen Terrarium kann es tagsüber ruhig 28-30°C warm werden, so lange den Bartagamen eine kühlere Rückzucksmöglichkeit (z.B. Höhle) zur Verfügung steht.

junge Bartagamen

Ernährung

Die Pflanzen mit denen Bartagamen hier gefüttert werden enthalten im Vergleich zu denen die sie in der Natur fressen viel mehr Protein, daher ist es nicht notwendig ihnen öfter als eine Grille, oder für größere Bartagamen eine Heuschrecke, alle zwei Wochen zu füttern. Bei zu hoher Proteinzufuhr (sprich zu viel Insekten) können Bartagamen Nierenerkrankungen und Gicht bekommen.

80% pflanzlich: Löwenzahn, Spitzwegerich, Vogelmiere, Klee, Gänseblümchen und andere Wildkräuter. Im Winter auch Salate wie Endivien, Ruccula, Chicoree oder Römersalat. Kein Obst. Nur geringe Mengen Gemüse, geeignet sind Möhren, Paprika und Gurke. Grünfutter in einer Schale anbieten, um die Aufnahme von Sand zu vermeiden.

In Maßen Insekten (Heuschrecken, Grillen, Schaben). Für ausgewachsene Bartagamen reichen zwei Heuschrecken pro Woche, Jungtiere bekommen etwas mehr Insekten. Keine Mäuse!

Calcium (z.B. Sepia) zur freien Verfügung in einer Schale.

Täglich frisches Wasser in einer flachen Schale, die auch die Möglichkeit zum Baden bietet.

Bartagame

Einzel-, Paar- oder Gruppenhaltung?

Einzelhaltung möglich. Nicht mehr als ein Männchen pro Terrarium, idealerweise zwei bis drei Weibchen bei gemischtgeschlechtlicher Haltung. Bei sehr aufdringlichen Männchen ist eine zeitweise Trennung von den Weibchen nötig. Bei Gruppenhaltung pro Tier ein Sonnenplatz.

Bartagamen

Die Zwergbartagame, Pogona henrylawsoni

Neben der Gewöhnlichen Bartagame (Pogona vitticeps) auf die ich bisher eingegangen bin wird gelegentlich auch die Zwergbartagame (Pogona henrylawsoni) angeboten. Sie wird mit einer Gesamtlänge bis 30cm nur etwa halb so groß wie die Gewöhnliche Bartagame, unterscheidet sich in der Haltung und auch beim Platzanspruch sonst aber nicht. Die Zwergbartagame wird nicht so zahm wie die Gewöhnliche Bartagame, daher empfehle ich für Kinder und Jugendliche die Gewöhnliche Bartagame.

Eignung für Kinder

Da die tagaktiven Bartagamen nachts sich völlig ruhig verhalten, spricht nichts dagegen das Terrarium in ein Kinderzimmer zu stellen. Wenn der Platz dafür reicht. Abgesehen von der relativ komplexen Beleuchtungstechnik können Kinder bzw. Jugendliche ab 12-14 Jahren die Pflege von Bartagamen durchaus selbstständig übernehmen. Jüngere Kinder können bei kleinen Pflegearbeiten helfen und auch mal die Bartagame auf die Hand nehmen oder streicheln. Ein Tipp: Ihr Kind sollte dazu auf dem Boden sitzen, dann kann die Bartagame nicht tief fallen.

Bartagamen sind ein teures Hobby. Alleine für die gute und ausreichende Beleuchtung muss mit 20-40 Euro im Monat gerechnet werden. Für Terrarium und Beleuchtung sind schnell 500 bis 1000 Euro Anschaffungskosten zusammen.

Buchtipp

Ihr Hobby Bartagamen von Veronika Müller

Bartagamen sind bei Beachtung ihrer Bedürfnisse attraktive und zutraulich werdende Terrarientiere, die sogar eine Art Bindung zu ihrem Pfleger aufbauen können. In diesem Buch erfährt der Leser alles Wesentliche zur Ausstattung des Terrariums, zur Fütterung und Futtertierzucht sowie zu den natürlichen Bedingungen in den Lebensräumen der Bartagamen in Australien. Dem einfühlsamen Pfleger wird nach einiger Zeit vielleicht sogar die Zucht seiner Bartagamen gelingen.

Links:

www.brilliant-dragons.de/haltungsfehler.php Häufige Haltungsfehler

www.biron.de/ta/bartagamen.html kurze Haltungsinfo von einem Reptilientierarzt